Zur Situation von Kindern psychisch erkrankter Eltern

Ausgangslage

In 2007 berichtet das Deutsche Ärzteblatt, dass nach Schätzungen der Bundespsychotherapeutenkammer in Deutschland rund 1,5 Millionen Kinder leben, deren Eltern an einer Psychose oder einer schweren Depression leiden oder suchtmittelabhängig sind. Damit ist die Zahl der betroffenen Kinder viel höher als es bisher angenommen wurde.

Mit der psychischen Erkrankung der Eltern…

steigt das Risiko der betroffenen Kinder, selbst psychisch zu erkranken. Forschungen belegen, dass das Risiko des Kindes mit einem erkrankten Elternteil bei 10-15% liegt, bei einer Erkrankung beider Elternteile steigt das Risiko für das Kind auf 35-50%. Die Zahlen belegen nachdrücklich, wie wichtig es ist, sich mit der Problemstellung auseinanderzusetzen und im Interesse der betroffenen Kinder und deren Eltern mit allen im Versorgungssystem beteiligten Einrichtungen, Lösungswege zu entwickeln.

Kinder aus chronisch belasteten Familien…

sind besonderen emotionalen Belastungen ausgesetzt. Sie werden über längere Zeiträume mit elterlichen Verhaltensweisen konfrontiert, die sie weder verstehen noch verarbeiten können. Zudem wird die psychische Erkrankung häufig tabuisiert, so dass den Kindern der Zugang zu notwendiger Unterstützung oft verwehrt bleibt.

Scham und Angst, …

aber auch fehlende Informationen über vorhandene Unterstützungsangebote verhindern nicht selten eine aktive Hilfesuche. Die Angst vor dem Verlust ihres Kindes führt dazu, dass sich psychisch kranke Eltern gegenüber Hilfsangeboten und professionellen Einrichtungen oftmals sehr zurückhaltend verhalten.

Familien brauchen Unterstützung

Jede Familie hat unterschiedliche Ressourcen, die für ein gelingendes Zusammenleben wichtig sind. Jedoch in kritischen Lebensphasen, bedingt durch eine psychische Erkrankung, gelingt es nicht immer, auf diese zurückzugreifen und aus eigener Kraft Veränderungen zu bewirken. In solchen Situationen neigen einige Familien dazu, sich zu isolieren und den Blick für Veränderungsmöglichkeiten zu verlieren, weil sie sich keine Lösungsschritte mehr zutrauen. Unsere Aufgabe als Fachkräfte besteht darin, einen Prozess zu ermöglichen, durch den alle Beteiligten ihre persönlichen Ressourcen wieder entdecken können und durch den sie befähigt werden, neue Wege zu gehen und Ziele zu erreichen.

Ob eine psychische Erkrankung/ Suchterkrankung zur Trennung von Eltern und Kindern führt ist von zwei Faktoren abhängig:

  • Dem Vorhandensein eines gemeinsam finanzierten Unterstützungspaketes, welches zuverlässig die Beeinträchtigung der Eltern kompensiert und das Wohl des Kindes sichert.
  • Der Bereitschaft sowie der Kompetenz der Eltern Hilfeangebote anzunehmen und im Prozess mitzuwirken.

Ziel:

Kinder vor Trennungstraumata zu bewahren und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen das Recht auf Elternschaft zu ermöglichen. Hierfür müssen unterstützende professionelle Hilfen und Netzwerke zur Verfügung stehen.

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